Zur Entwicklung der Psychotraumatologie

Die Psychotraumatologie ist eine junge Wissenschaft, die sich in Deutschland erst in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hat. Forschungen zu den Symptomen der traumatisierten Kriegsveteranen aus den Weltkriegen und dem Vietnamkrieg sowie Forschungen über die Auswirkungen häuslicher und sexueller Gewalt, aber auch Forschungen zum Erleben so genannter Monotraumata wie z.B. dem Erleben von Unfällen waren Wegbereiter für die Psychotraumatologie, die Etablierung der Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung und der Traumatherapie.

Früheste Beobachtungen von Traumatisierungen gehen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurück als die ersten Eisenbahnlinien gebaut wurden und es zu Unfällen einer neuen Dimension und Heftigkeit kam.

Die Überlebenden zeigten noch lange Zeit nach dem Unglück Auffälligkeiten in Form von Unruhe, Zittern und Impulsdurchbrüchen. Die Symptome wurden mit der Erschütterung und Schädigung des Rückenmarks erklärt (railway spine).

Ende des 19. Jahrhunderts beobachteten Ärzte um Jean Martin Charcot in der Pariser Klinik Salpêtrière "hysterisches" Verhalten von Frauen, die wechselnde Zustände von Trance, Übererregung und Ohnmacht zeigten. Erstmalig wurden diese Symptome im Zusammenhang mit frühen sexuellen Gewalterfahrungen genannt.

Die Forschungen über die Veteranen der beiden Weltkriege und des Vietnamkriegs waren dann bahnbrechend. Der erste Weltkrieg brachte vier Millionen deutsche Kriegsveteranen hervor. Viele von ihnen zeigten nach dem Krieg starke Auffälligkeiten und hatten Schwierigkeiten, in ihr "normales" Leben zurück zu finden. 

Die aus dem ersten Weltkrieg zurückgekehrten Soldaten zeigten noch Jahre nach Kriegsende Auffälligkeiten in Form von Schlafstörungen, impulsivem Verhalten und Zittern ("Kriegszitterer"). Man nahm an, dass Granateneinschläge zu einer Schädigung des Gehirns geführt hätten ("Granatenschock"). Ihnen wurde jedoch auch Simulation unterstellt, um eine Frühberentung zu erzielen.

Auch nach dem 2. Weltkrieg hielt sich die Hypothese, dass eine gesunde menschliche Psyche unendlich belastbar sei und dass diejenigen, die nach dem Krieg Symptome aufzeigten, eine Veranlagung dazu hätten. Heute weiß man, dass der erste Weltkrieg - als Stellungskrieg geführt - bewirkte, dass die Soldaten in ihren Schützengräben dem Feind schutzlos ausgeliefert waren, was das Ausbilden einer posttraumatischen Belastungsstörung förderte.

Nach dem Vietnamkrieg sah man sich einer hohen Anzahl Kriegstraumatisierter gegenüber. Der immense Drogenkonsum und die erschreckend hohe Selbstmordrate unter den Veteranen erforderten neue Behandlungsmöglichkeiten für die Veteranen. 1980 wurde die so genannte "Posttraumatische Belastungsstörung" als Krankheitsbild erfasst und in das amerikanische Diagnosemanual DSM3 aufgenommen. 

Spätestens seit dem Vietnamkrieg weiß man, dass die Belastbarkeit der menschlichen Psyche begrenzt ist und dass jeder Mensch bei einem gewissen Maß an psychischem Stress seelischen Schaden davon tragen würde.

Doch was passiert genau in einer traumatischen Situation? Dies wird mit Hilfe des Symbols der traumatischen Zange erklärt.

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